Freitag, 15. Mai 2009

Ist die Krebsvorsorge wirklich sinnvoll?

Der Mediziner Hans-Hermann Dubben macht sich unter Kollegen wenig Freunde. Er meint: "Meist ist es besser, sich nicht auf Prostata- oder Brustkrebs testen zu lassen". Die größte Studie zum Prostatakrebs scheint ihn zu bestätigen: Früherkennung hilft wenigen und schadet vielen.

Auf die Frage nach dem Sinn der Früherkennung beim Brustkrebs bzw. Prostatkrebs gab Herr Dubben folgende Antwort:

A: "Genauso wie beim Prostatakrebs gibt es oft Überdiagnosen. Zum Beispiel bei jenen Tumoren, die innerhalb von 50 Jahren von Erbsgröße auf doppelte Erbsgröße anwachsen. Die machen nie ein Problem. Trotzdem werden diese Frauen aggressiv behandelt. Das führt dazu, dass auf eine gerettete Frau statistisch zehn weitere kommen, die überbehandelt werden."

Hier ein kleiner Einbklick in die statistischen Zahlenspiele:
30 Prozent der krebskranken Männer sterben, etwa vier Prozent an Lungenkrebs und drei Prozent am Prostatakrebs. Schon haben Sie die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Bleiben aber noch 23 Prozent für alle anderen Krebse.

F: Warum kursieren beim Krebs so viele Studien, deren Schlussfolgerungen nicht haltbar sind?
A: "Viele Mediziner können einfach nicht mit Zahlen umgehen. Mediziner lernen in ihrer Ausbildung zu wenig über Forschungsmethodik. Die wenigsten sind in der Lage, die Ergebnisse einer Studie kritisch zu hinterfragen. Ich hoffe mit meinen Büchern und Seminaren etwas daran zu ändern."

Auswertung einer großen Datenmenge: "Früherkennung schadet mehr, als sie nützt. Sehen Sie sich die Zahlen an: Von 200 000 Probanden, die man zehn Jahre lang auf Prostatakrebs beobachtet, bleiben 75 Krebskranke, die vor dem Tod bewahrt werden." Prostatkrebe tritt erst im höheren Alter auf und man kann damit "120 Jahre" alt werden.


F: Aus einer seriös angelegten Studie geht hervor, dass Vegetarier seltener Krebs bekommen....
A: "Ich kenne diese Studie nicht. Vielleicht stimmt das Ergebnis, vielleicht ist es Zufall, vielleicht gibt es da eine Verzerrung. So eine Studie lässt sich allerdings kaum wasserdicht durchführen. Bei Krebs spielt der gesellschaftliche Hintergrund eine wichtige Rolle. Welchen Beruf ein Mensch hat, was er verdient - all das ist wichtig bei der Krebssterblichkeit..."

Die Diagnose Krebs ist kein Todesurteil, sie wird aber immer so verkauft und wird von den meisten Patienten auch so angenommen.


Quelle: Warum Sie Krebs einfach aussitzen können
 
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