Montag, 23. Februar 2009

Tai Chi und Diabetes mellitus Typ II

Auf der Suche nach Studien zu einer Wirksamkeit von Tai Chi stößt man leider immer wieder nur auf allgemeinen Statements wie: "Tai Chi ist gut, weil es enstpannt...".

Umso erfreulicher ist es, wenn dann mal Studien publik gemacht werden, wo Tai Chi und spezielle Erkrankungen "wissenschaftlich" untersucht werden. Was bedeutet hier wissenschaftlich: Man nimmt eine Gruppe von Erkrankten und vergleicht sie mit einer anderen Gruppe, die nicht erkrankt sind und nimmt als Medikament" Tai Chi".

Ist dieser Ansatz sinnvoll? Eher nicht. Sinnvoller wäre es, eine Gruppe mit Diabetikern, die Tai Chi üben mit einer anderen Gruppe zu vergleichen, die eine andere "Sportart" betreibt. Es soll ja bewiesen werden, daß "Tai Chi" als Bewegungssystem funktioniert. Als alternative Bewegungsformen könnte z.B. Wandern, Joggen, Schwimmen, Gymnastik.... ausprobiert werden.

Ein Artikel bei Focus: "Eine kleine Taiwanesische Studie zeigt nun, dass auch mit einem weniger schweißtreibendem Bewegungsprogramm viel auszurichten ist: Kuender Yang und seine Kollegen vom Chang Gung Memorial Hospital haben die Wirkung eines zwölfwöchigen Tai-Chi-Chuan-Kurses untersucht." In einer anderen Veröffentlichung heißt es zusätzlich, daß die Gruppe immer 3 Stunden lang trainiert hat. Dies sagt schon mehr aus.

Die Teilnehmer studierten dabei eine Choreografie ruhig fließender Bewegungsfolgen ein. Welche der vielen Beweungsfolgen innerhalb des Tai Chi? Es gibt hochsthehende oder tiefstehende Positionen dabei. Und damit ist der Grad der Anstrengung sehr unterschiedlich.


An der Untersuchung nahmen 30 Typ-II-Diabetiker und eine gesunde 30-köpfige Kontrollgruppe teil. Es werden keine Angaben über die gesunde Kontrollgruppe gemacht. Auch nicht über das Alter und Geschlecht der teilnehmenden Personen. Man kann nur aufgrund der Aussage "Typ II" indirekt auf das Alter schließen.



Die Taiwaner Forscher fanden heraus, dass die HbA1c-Werte der Diabetiker von im Schnitt 7,59 Prozent auf 7,16 Prozent sanken. Dieser Wert ist ein Hinweis dafür, wie hoch der mittlere Blutzucker in den vorangegangenen Tagen und Wochen war.

Für Nicht-Diabetiker: der HbA1c-Wert ist ein Labor-Test, der den mittleren Blutzucker (Glucose) eines Menschen über die letzten 3 Monate anzeigt. Er gibt an, ob der Blutzucker normal oder zu hoch war.
Warum gerade diese 120 Tage? Nun, dies hat mit der Eigenschaft des Blutes (Lebendsdauer der roten Blutkörperchen = 120 Tage) und der Eigenschaft des Zuckers (er bindet sich an die roten Blutkörperchen) zu tun. Ziel für den Diabetiker ist es einen ständigen Wert von unter 7 zu behalten. Permanente Wert über 8 können zu Spätfolgen führen.


Dies Aussage, daß der HbA1c-Wert-Wert sich abgesenkt hat, sagt nur aus, daß das Bewegungssystem Tai Chi etwas bewirkt hat. Aber ist nun besser als andere Bewegungssysteme?


Außerdem beruhigten sich durch Tai Chi Chuan die unterschwelligen Entzündungsprozesse im Körper der Diabetiker. So besserte sich die Funktion bestimmter Immunzellen, der sogenannten die T-Helfer-Zellen. Die Werte des Signalstoffs Interleukin-12, das Entzündungsprozesse ankurbelt, sanken. Dafür stiegen die von Interleukin-6, das Entzündungsreaktionen eindämmt.


Von dieser Wirkung können auch andere Erkrankte (Neurodermitis) berichten. Sie haben mit dem Tai Chi dahingehend Erfolge, daß sie weniger bis keine Medikamente mehr benötigen. (Erfahrungsberichte einiger Schüler von mir). Dies wurde über andere Bewegungssysteme nicht erreicht.


Es ist schön in den Zeitungen Artikel über die Wirkweise des Tai Chi zu lesen, aber leider werden die Fakten teilweise doch sehr starkt verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen. Den Originalartikel (c/f British Journal of Sports Medicine) konnte ich leider nicht einsehen.


Ich praktiziere nun seit 1980 Tai Chi und Qigong und bin von der Wirksamkeit absolut überzeugt. Es zeigen sich sehr gute Resulte im präventiven Bereich, ebenso wie in der Reha bzw. im krankengymnastischen / physiotherapeutischen Bereich. Viele Patienten kamen erst durch den Einsatz östlicher Methoden zu sichtbaren Erfolgen.


weitere interessante Links:

1) Tai Chi and Diabetes von Bill Douglas
2) Kursübrsicht Bonn
3) netdoktor.de: Diabetes mellitus Typ II
4) Zuckerberatung


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Tai Chi Chuan - Tai Ji Quan - Taijiquan

Tai Chi erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Allerdings erst seitdem die Krankenkassen dieses als "förderungswürdige" Bewegungform erkannt haben. Und manch einer kommt nur in die Kurse, "weil die Kasse bezahlt".

Was ist der Ursprung von Tai Chi? Welche Vielfalt gibt es innerhalb des Tai Chi? In den folgenden Artikeln werden Formen, Stile, gesundheitliche Aspekte, aber auch der kämpferische Teil des Tai Chi vorgestellt.


Der Name Tai Chi ist eine Kurzform. Der ausführliche Name ist "Tai Chi Chuan", auch als Tai Ji Quan oder neuerdings als Taijiquan bekannt. Das Wort Quan (= Chuan) heißt "Faust" und besagt nur, daß man keine Waffe in der Hand hält. Tai Chi Jian z.B. heißt die Tai Chi Schwert-Form.

Wenn ich nun sage, ich betreibe Tai Chi, dann sagt dies noch nicht viel aus. Es gibt innerhalb des System 5 große Stilrichtungen (Chen-, Yang-, Wu-, Sun-, Hao- bzw. W'u-Stil). Außerhalb dieser Aufzählung existieren noch der Lee-Stil und der Wudang-Stil mit eigenen Wurzeln. Über das Entstehungsalter gibt es verschiedene, stark umstrittene Angaben. Ebenso über über die Entstehungslegenden.

Hier nun drei "Entstehungslegenden":

Zhang Sanfeng (12. / 15. Jhd) gilt als mythologischer Begründer des Tai Chi. Er war ein daoistischer Mönch und bekam seine "Erkenntnisse" in einen Traum auf dem Berg Wudang vom Kaiser Xuan Wu (2697-2597 v.u.Z.) vermittelt. "Die Idee des Tai Chi als "Geschenk" der Götter an die Menschen". Die zweite Legende besagt, daß Zhang Sanfeng zwei Tiere (Kranich, Schlange) beobachtet hat, wie sie miteinander gekämpft haben und dabei soll er die Technik des Tai Chi erkannt haben. Das "Prinzip der geraden aber auch gewundenen Bewegungen und ihre Beziehung zueinander". Die dritte und etwas handfestere Legende ist, daß General Chen Wanting (1597-1664) im hohen Alter sich zurückgezogen hat und einen neuen effektiven Kampfstil entwicklet hat. Er hat dabei aus vielen anderen Kampfstilen die effektivsten Techniken zu einer neuen Stilrichtung verschmolzen. Ein neuer Aspekt seines Kampfstiles war, daß "Zurückweichen" von Vorteil sein kann und nicht ein Zeichen von Schwäche ist. Dieser Gedanke ist einmalig in seiner Zeit.


Wichtig ist, daß das Tai Chi immer nur innerhalb der Familie weitergegeben wurde, da es zu kämpferischen Zwecken praktiziert wurde. Überfälle, Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung.



Es wird immer wieder gesagt "Tai Chi sei uralt". Stimmt dies?
Wenn man die Vorläufersysteme dazuzählt, dann gehen die "Daten über die Entstehung" bis auf den Gelben Kaiser (2697-2597 v.u.Z.) bzw. Lee Ho Hsieh (ca. 1110 v.u.Z.) zurück. Demzufolge ist Tai Chi "über viele tausende Jahre alt". Geht man von dem Begriff "Tai-Ji" aus, so gibt zwei große Unterschiede der Bedeutungen: Tai Chi wird als ein philosophisches Prinzip betrachtet. Hierbei bedeutet Tai Chi "höchster Dachfirst", das höchste Äußerste".

Das Tai-ji ist, was wu-ji hat beboren.
Es ist von Yin und yang die Mutter.
Bewegt man diese, dann ist Trennung,
Beruhigt man sie, dann ist Vereinigung


Betrachete man "Tai Chi Chuan" als Kampfsystem, so finden sich schriftliche Aufzeichnungen hierüber erst im 17. bzw. 18. Jhd. Der Begriff taucht allerdings nur in Überschriften von Abhandlungen auf: z.B. "Abhandlung über die 10 große Prinzipien des Tai-ji-Quan" von Chen Zhang-Xing (1771-1853). In den Texten selber wird der Begriff nicht verwendet. Erst in späteren Texten von Chen Xin (1849-1929) werden Tai-ji und Tai-ji-quan häufiger gebraucht.

Erst ab Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts ist der Name Tai-Ji-Quan etabliert. Ab dieser Zeit wird auch dem gesundheitlichen Aspekt Rechnung getragen. Es erscheinen vermehrt Publikationen zu diesem Thema. Seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts werden sie in vielen Darstellungen sogar in den Vordergrund gestellt. Und ab den fünfziger Jahren wird eine vereinfachte Bewegungsabfolge landesweit in China für die breite Bevölkerung verbreitet.



Und diese Form ist bei uns in den Köpfen und wird auch als "Schattenboxen" bezeichnet. Allerdings ist dieser Begriff hoffnungslos veraltet. Er entstand in einer Zeit als kaum einer Tai Chi kannte und man schrieb dann etwas: "Es sieht aus wie..."

Wie kam das Tai Chi in den Westen? Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts reiste Nixon zu Staatsbesuchen in die Volksrepublik China. Es war eine Zeit der Abrüstung und Entspannung. Bei den Besuchen wird er (und ebenso zahlreiche Journalisten und andere Begleiter) in Kontakt mit dem Tai Chi gekommen sein. Vermutlich in Form einer Massenvorführung(?!). Auch im Westen war "FlowerPower" angesagt und so kam nur die "softe" Variante des Tai Chi in den Westen (=USA) und von dort dann nach Europa. Erst innerhalb der letzten ca. 10-15 Jahre hat sich auch die kämpferische Ausübung wieder verbreitet. Jedoch herrscht immer noch das Denken: "Tai Chi sind weiche, fließende Bewegungen ohne kämpferischen Inhaltes".

Aber Tai Chi ist viel - viel mehr!!!!


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