Samstag, 22. November 2008

Kippt das Apotheken-Monopol aus dem 13. Jahrhundert?

Was ist das neue und aufregende an DocMorris?

Nun, Ralf Däinghaus, (Geschäftsführer der Versandapotheke DocMorris) ist ein studierter Informatiker, der eine eigene Firma aufgebaut hat. An sich nichts aufregendes, meinen Sie. Aber er hat sich an ein Geschäft herangewagt, welches seit alters her mit einem Fremdbesitzverbot belegt ist.

Im 13. Jd. erfolgte die Trennung der Berufe Arzt und Apotheker. Ärzte durften keine Apotheke mehr besitzen oder daran beteiligt sein. Arzneimittelpreise wurden gesetzlich festgeschrieben, um Preistreiberei zu verhindern. Das Edikt von Salerno wurde Vorbild der Apothekengesetzgebung in ganz Europa. Aus dieser Zeit stammt auch die städtische Apothekenordnungen, in denen festgelegt wurde, dass Apotheken nur zum Verkauf von Arzneien gegründet werden dürfen.

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Im heutigen Apothekergesetz wird der Auftrag der Apotheke benannt: die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung। Ebenfalls werden dort die Kriterien für die Erteilung einer (Betriebs-)Erlaubnis aufgeführt: es muß die deutsche Approbation zum Apotheker vorliegen.
Herr Däinghaus ist kein Apotheker und kann somit keine Apotheke in Deutschland eröffnen. Will er aber.

Desweiteren steht im deutschen Apothekergesetz, daß jeder Apotheker zusätzlich maximal drei Filialapotheken betreiben darf. Auch ist nur die Rechtsform der Personengesellschaft (zulässig: Gesellschaft bürgerlichen Rechts, offene Handelsgesellschaft) erlaubt.

Auch hier hat Herr Däinghaus andere Vorstellungen. Er möchte bundesweit Filialen aufbauen und dann in Form einer Kapitalgesellschaft.

Und sein letztes Tabu-Thema ist der Versandhandel. Er möchte Medikament über den Versandhandel verschicken. Aus grundsätzlichen Erwägungen war der Versandhandel von Arzneimitteln in Deutschland bis 2003 ausdrücklich untersagt. Das Verbot wurde erst Ende der 1990er Jahre in das Apothekengesetz aufgenommen. Erst eine Klage von Apotheken im europäischen Ausland wurde Ende 2003 zum Anlass genommen, den Versandhandel mit Arzneimitteln in Deutschland für Apotheken ab 1. Januar 2004 freizugeben. Also haben Apotheker von sich aus den Weg für den Versandhandel über das Internet eingeleitet!

Ab Januar 2004 wurde der Versandhandel für Apotheken gesetzlich erlaubt – aber noch nicht für Nicht-Apotheker.

Sie sehen, Ralf Däinghaus möchte so einiges verändern.

Seinen Standort hat DocMorris seit seiner Gründung (2000; durch den niederländischen Apotheker Jacques Waterval und dem Deutschen Ralf Däinghaus ) in den Niederlanden. Der Firmensitz befindet sich seit 2004 in Heerlen unweit der deutschen Grenze, rund 15 km von Aachen entfernt. Der Grund für die Wahl des Sitzes im Ausland war die Umgehung des bis 2003 in Deutschland geltenden Verbots des Arzneimittelversandhandels und der Wegfall der in Deutschland herrschenden Preisbindung auf rezeptfreie Medikamente.

Im Bereich des Fremdbesitzverbots liegt eine Kollision des nationalen deutschen Rechts und des Europarechts vor. Das Gemeinschaftsrecht beansprucht aber in diesem Fallen einen Anwendungsvorrang. Somit konnte er eine Internet-Versand-Apotheke aufgebaut, die auch in Deutschland tätig werden kann. Desweiteren benutzt er der Wegfall der Preisbindung für rezeptfreie Medikamete um seien Waren preisgünstiger anbieten zu können.

Logo von DocMorris
Sein beschwerlicher Weg ging über viele Gerichtsverfahren (2003), in denen er den Versandhandel (Niederlande nach Deutschland) erwirkte (Eu-Recht über deutsches Recht). Im Zuge der Geschäftserweiterung eröffnete er 2006 eine Filiale in Saarbrücken. Die überraschende Erteilung hierfür kam von Saarländischen Gesundheitministerium (Europarecht über Deutsches Recht).

Als nächste steht nun der Wegfall des „Mehr- und Fremdbesitzverbot für Apotheken“ auf dem Plan. DocMorris hat mittlerweile über 100 Filialapotheken in Deutschland.

Was bringt uns als Verbrauchern der Versandhandel? Nun, eine preiswertere Versorgung mit Medikamente. Die Apotheker fordern die Versandapotheken allerdings auf, unseriöse Angebote im Kampf um Umsatz und Patienten zu unterlassen. Insbesondere das irreführende Werben mit vermeintlich hohen Rabatten auf Selbstmedikationsprodukte und damit das Vortäuschen günstiger Preise muss eingestellt werden.

Eine besorgniserregende Entwicklung ist aber an einer ganz anderen Seite zu finden. Ende 2007 stellte das Bundeskriminalamt fest, daß eine große Anzahl von Medikamenten-Fälschungen zum deutschen Verbraucher gelangen. Der Bundesminister für Finanzen (warum eigentlich nicht der Gesundheitsminister?) zeigte sich Mitte März 2008 besorgt über die rasante Zunahme der Arzneifälschungen durch den Zoll. Besonders auffällig waren rezeptfreie Potenzmittel, Dopingmittel, aber auch Herzmedikamente. (Apotheker-Zeitung 12/2008: Steinbrück warnt vor Arzneimittelfälschungen: Zollfahndung meldet Schlag gegen illegalen Handel)

Noch eine besorgniserregende Tendenz ist zu verzeichnen: „85 Prozent der US-amerikanischen Medikamenten-Versandhändler verschicken verschreibungspflichtige Arzneimittel wie Valium oder Ritalin, ohne ein Rezept dafür gesehen zu haben“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des National Center on Addiction and Substance Abuse (CASA) an der Columbia University. Die Forscher hatten dabei 365 Internet-Apotheken genauer unter die Lupe genommen. In Deutschland nahm die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände die Ergebnisse der Studie auf. Ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln sei "ein wichtiger Schritt in Richtung Verbraucherschutz", ließ Magdalene Linz, Präsidentin der Bundesapothekerkammer, in einer Pressemitteilung verlauten. (Kinder, Süchtige …)

Was sollte bei einer guten Versandapotheke gewährleistet sein?

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Qualifizierte Beratung, keine Abgabe von Medikamenten an Minderjährige oder Süchtige, Bestehen auf Vorlage eines Rezeptes (bei rezeptfplichtigen Medikamenten) und vor allem gute Qualität der Medikamente.

Und wie steht es mit der Beratungsniveau? Apotheken gelten im allgemeinen als fachkundig. Stiftung Warentest hat 20 Apotheken in Berlin untersucht und dabei zum Teil Erschreckendes erlebt: Falscher Rat zu Medikamenten, verpfuschte Rezepturen und Fehler beim Blutdruckmessen. Acht Apotheken sind mangelhaft, nur eine ist gut. Auch eine DocMorris-Apotheke war in der Bewertung enthalten.
 
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