Samstag, 15. November 2008

Orthopädenkongress: Antirheumatika am Pranger.

Wirkungslos, schädlich, teuer
Orthopädenkongress: Antirheumatika am Pranger.

25.10.2008 125899

Das Weltbild der pharmazieorientierten Medizin ist in dieser Woche gehörig ins Wanken geraten. Auf dem heute zu Ende gehenden Orthopädenkongress in Berlin haben Wissenschaftler der Stiftung Molekulare Medizin nachweisen können, dass weit verbreitete antirheumatische Medikamente nicht nur unwirksam sondern teilweise sogar schädlich sind. Milliarden von Euro geben die Krankenkassen für nutzlose Arzneimittel aus.

Die Forscher Peter Wehling und Carsten Moser gingen zunächst der Frage nach, bei welcher Therapie gegen Kniearthrose ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit vorliegt. "Ernüchternd" seien die Ergebnisse ihrer systematischen Auswertung der weltweit vorhandenen Literatur gewesen, berichtete Wehling. "Vor allem zeigte sich für die bei Arthrose sehr häufig verabreichten Antirheumatika eine sehr niedrige Wirksamkeit bei überraschend hohen Nebenwirkungen."

In der Metaanalyse untersuchten und bewerteten die beiden Düsseldorfer Ärzte alles, was sie zum Thema in den Finger bekamen: Hunderte klinische Studien, Übersichtsarbeiten, Leitlinien. Resultat der Fleißarbeit: Effektiv sind Muskelkräftigung, Gewichtsreduktion und die Behandlung mit Injektionen. Schlecht abgeschnitten haben Gelenkspiegelungen und medikamentöse Therapien. Besonders die hohe Zahl von Nebenwirkungen ist den Wissenschaftler aufgefallen. Magengeschwüre und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko wurden in den Publikationen häufig genannt. Die fünf Millionen deutschen Patienten mit einer Kniearthrose werden meist mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt. In Großbritannien sterben jedes Jahr 2.200 Menschen an den NSAR-Nebenwirkungen, wie Magen-Darmblutungen. 12.000 Patienten landen in den Notfallaufnahmen der Krankenhäuser.

Das preisgünstige und nebenwirkungsfreie Heilmittel Physiotherapie steht bei den Verordnern im Vergleich zur Arzneimitteltherapie nicht hoch im Kurs. Doch wer weiß, vielleicht schafft der Auftritt von Moser und Wehling auf dem Orthopädenkongress einen Paradigmenwechsel. Die geplagten Patienten können nur profitieren.

Weitere Informationen zu der in unserem Bericht zitierten Studie gibt es bei der Stiftung Molekulare Medizin. Telefon: 0211 / 6025535 [E-Mail]


Peter Appuhn
physio.de





Sie möchten einen Kommentar schreiben oder andere Kommentare lesen? Dann klicken Sie bitte erneut auf den Titel. Das Kommentar-Feld wird dann sichtbar.
 
Benutzerdefinierte Suche